Deutsche Leberstiftung

 

 

Lothar, infiziert in Folge von Blutübertragung, Depression, Ängste , Schlafstörungen, gehäuft MüdigkeitLothar: Hepatitis-C und Nebenerkrankungen

Datum  13.11.2010

Hallo!

Heute möchte ich ein Thema ansprechen welches mich betrifft und auch vielleicht anderen.1987/88 habe ich mich an einer Hepatitis Non A Non B infiziert. Ich bin Anästhesie/Intensiv Fachkrankenpfleger und versehe meinen Dienst hauptsächlich     in der Anästhesie - im OP sowie bei Notfällen in allen Bereichen des Krankenhauses (Chirurgische Ambulanz ,Kreissaal, usw.).Wann jetzt genau die Infektion bei mir eintrat kann ich nicht sagen . Ich war bereits schon 5 Jahre in diesem Bereich tätig. Im Jahre 1987 mussten alle die bei uns im OP arbeiteten vom Betriebsarzt untersucht werden (Anordnung gesetzlich durch eine neue Röntgenverordnung ) die jedes Jahr wiederholt wird.


1987 stellte man bei mir erhöhte Leberwerte fest

( SGPT  98 U/l ,Y-GT 110 U/l).Der Betriebsarzt unternahm erstmal nichts. Ein Jahr später hatte ich weiterhin die erhöhten Werte , darauf reagierte der Betriebsarzt auch nicht, so dass ich meinen Hausarzt aufsuchte .Der überprüfte nochmals die Leberwerte untersuchte mich und machte eine Sonographie. Hier fand er heraus das die Leber etwas vergrößert wäre, und in der Sonographie eine leichter Fibröse erkannte .Darauf überwies er mich an einen Gastroenterologen der bei mir eine Biopsie im Rahmen einer Bauchspiegelung durchführte. Befund Hepatitis Non A Non B mit leichter Fibrose.1989 wurde meine Hepatitis Non A Non B als Berufserkrankung (BGW) anerkannt. Während der Anfangsdiagnose folgte bei mir die nächste Erkrankung ein sehr hoher Blutdruck , aber man fand nicht heraus welche Ursache zu diesem Krankheitsbild führte. Organisch wurde ich mehrfach komplett untersucht , aber alles ist positiv ausgefallen .Die BGW hat bei Antragstellung auf Berufserkrankung den hohen Blutdruck nicht mit anerkannt.


Hinzu kamen dann auch Ängste , Schlafstörungen, gehäuft Müdigkeit.

1991 wurde eine Blutprobe untersucht wobei sich an den Werten nichts geändert hatte , meine Viruslast war mittlerweile auf über 30 Millionen gestiegen .Ferner wurde festgestellt dass ich eine Hepatitis C habe und 1993 der Typ 1b .Jetzt wurde mit mir eine Therapie besprochen. Während der ersten Woche lag ich stationär  unter Beobachtung wegen der Verträglichkeit . Ich bekam 3 x Woche je 6,0 Mio. I.E Interferon. Da nach 4 ½ Monate die Therapie nicht zu einem Erfolg führte, wurde diese abgebrochen. Meine Leberwerte waren zwar besser geworden , aber die Virenlast stieg immer höher (ca.44000000).Während der Therapie und danach ,waren die Nebenwirkungen zu ertragen, leicht psychische Verfassung mit erhöhten Blutdruck haben mich trotzdem nicht gestört. Im Verlauf 1993-1997 wurden, die psychischen Beschwerden immer schlimmer, hatte viel Angst durch die Gedanken  dass  eine solche fiese Krankheit zur Leberzirrhose oder Leberkarzinom führen kann , sowie leichte Depressionen und überhöhte Blutdruckschwankungen behinderten mich.


1997 war es wieder soweit mit einer Therapie.

Die zweite Therapie wurde im Rahmen einer Studie in der Düsseldorfer Uni durchgeführt. Hier habe ich den Prof. Dr. med. Niederau als durchführender Arzt zum ersten Mal kennen gelernt. Die Therapie erfolgte mit 3 x 3 Mio. I.E./Woche und Ribaverin 1000mg/Tag. Meine Anfangswerte waren  SGPT 34 U/l  SGOT  16U/l   GGT  68U/l. Da es zu keinem Erfolg kam , die Transaminasen normalisierten sich zwar , aber leider der Hepatitis C - Virus persisierte weiterhin , da wurde die Therapie nach ca. 3 Wochen eingestellt. Der zweite Knick der Enttäuschung war nun wieder da . Mit guten Mut und Kraft ging es nun weiter. Hinzu kam es zu Schweren Psychischen Problemen . Starke Ängste bis zur Panik , schlimme Träume bis Schlaflosigkeit musste ich über mich ergehen lassen. Es war schwer diese Krankheit anzunehmen, die Angst vor den Komplikationen (Zhirrose  Leberkrebs) machte aus mir einen anderen Menschen. Ich hatte keine Lust mehr auf mein Leben. Es war gut das ich eine Familie habe. Im Verlauf der nächsten Jahre 1998-2005 hatte ich einige Blutdruckprobleme so dass ich zweimal mit auf Verdacht mit einen Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurde.


2005 fand man heraus das der hohe RR Ursache einer Psychischen Belastung sei.

Wobei ich dann in eine Psychiatrische stationäre Therapie für mehrere Wochen eingewiesen wurde. Hier wurden viel Gespräche, Sport, Entspannungstraining, Spaziergänge, Kochen sowie Kunst durchgeführt. In den Jahren 2005 - 2009  war ich in  mehrere Therapien wegen der Depressionen . Die Depressionen entwickelten sich immer mehr bis hin zu Suizidgedanken und Suizidversuchen, wobei ich immer vorher aufgefunden wurde und dadurch gehindert worden bin. Meine Hepatitiswerte hielten bis auf die GGT leicht erhöht , alle 6 Monate werde ich untersucht durch die BGW bekomme jedes Jahr eine 4 wöchige  Heilmaßnahme und alle 2 Jahre wird ein Gutachten erstellt. Auf der einen Seite ist es gut dass meine Hepatitis C sich still verhält, denn mit den anderen Nebenwirkungen habe ich genug zu kämpfen. 2009 musste ich wegen  Suizidgefahr zweimal stationär für mehrere  Wochen therapiert werden . Nun hat man mich mit Psychopharmaka Leberspezifisch eingestellt. Ich hatte mal ganz zu Anfang in der Heilmassnahme ein Psychopharmaka  Mirtazapin bekommen die halfen sehr um Ruhig gestellt zu werden , aber griffen die Leber an  GGT- Wert über 400 U/l, wobei das Medikament dann sofort abgesetzt wurde.


Ende 2009 war ich in der Psychiatrie zur Therapie

während des Verlaufes fing ich an zu Zittern und  dieses  wiederholte sich öfters. Man überwies mich in die Neurologie mit den Verdacht auf Morbus Parkinson . Da hierfür mehrere Untersuchungen stattfinden musste, schlug man mir vor eine stationäre Aufnahme in der Neurologie . Anfang 2010 wurde dann neurologisch ein Morbus Parkinson diagnostiziert sowie als Zufallsbefund  eine Polyneuropathie in beiden Füssen (linker Fuß am schlimmsten). Da war ich natürlich wieder Psychisch daneben. Leider gibt es für die Polyneuropathie keine Therapie sondern man kann sich nur  gegen die Schmerzen etwas verschreiben lassen. Beim M. Parkinson muss ich regelmäßig und konsequent Neuroleptika einnehmen sowie  regelmäßig Krankengymnastik .Durch unser Forum habe ich eine Empfehlung bekommen , dass eine Prof. Dr. med. Weissenborn die auf diesem Gebiet Polyneuropathie sowie Depressionen in Verbindung der Hepatitis C in der Forschung tätig ist . Ich wollte herausfinden und einen Beweis finden ob die Hepatitis wirklich durch die lange Zeit der erhöhten Leberwerte dafür verantwortlich ist ( Beweis gegen die BGW). Die erste Untersuchung in der MH Hannover habe ich schon hinter mir , der zweite Termin habe ich am 27.10.2010.


Das Ergebnis gebe ich später bekannt.

So nun denkt Ihr sicher warum ich euch das alles erzähle. Mein Ziel war es euch mitzuteilen , dass nicht nur eine Zhirrose oder ein Leberzellkrebs auch nach vielen Jahre der Hepatitis auftreten kann sondern auch andere Nebenerkrankungen hervorruft wie z.B. Polyneuropathie und Depressionen. Da die Viren nicht nur in der Leber sondern auch in anderen Organen wandern können, wie z.B. im Gehirn, wo sie Entzündungen  hervorrufen und es zu Schädigungen von Nervenbahnen führen kann, daraus resultiert die Polyneuropathie. Allerdings kommt es zur Polyneuropathie auch durch Diabetes Mellitus, Alkoholikern , Gefäßpatienten, Drogenabhängigen  etc.. Vom 27.10.201 bis 30.10.2010 war ich zur erneuten Untersuchung in der MHH Hannover bei Frau Prof. Dr. med. Weissenborn zur weiteren Untersuchungen. Durch die Vorgeschichte sowie allen klinisch neurologischen Untersuchungen und Tests diagnostizierte  man bei mir  eine Hepatitis C assoziierte Polyneuropathie sowie eine Hepatitis C assoziierte schwere Depression . Einige Untersuchungsbefunde lagen leider bei der Entlassung nicht vor. Es gibt aber noch ein Gespräch was nun die ganzen Untersuchungen der Neben-Erkrankungen in Verbindung mit meiner Hepatitis C zu  tun hat. Darüber werde ich dann erneut berichten.


Jetzt überlegt jeder sicher warum schreibt einer so etwas?

Mein Ziel war es jeden Betroffenen darzustellen welche Folgen eine Hepatitis C im Laufe der Jahre anrichten kann. Hinzu kommt das die Leistungsträger (BGW ,Deutsche Rentenversicherung usw.) versuchen erstmal alles abzulehnen wenn es um Leistungen geht wie z.B. Renten etc. Ich bin sei t 2 3/4Jahren am kämpfen um eine volle Erwerbsunfähigkeit zu bekommen . Anfangs habe ich selber versucht gegen diese Institutionen an zu gehen bis ich die Klage beim Sozialgericht eingereicht habe. Das hat neben meiner Erkrankung sehr Kraft gekostet ,wobei ich oft in einer Situation geraten wo ich nicht mehr wusste was ich tue (Suizidversuch). Jetzt habe ich mir einen Anwalt genommen ,der mir zur Seite steht.  Nach allem Geschehen während der Jahre 1986 wo ich an einer Hepatitis (Non A - Non B), 1991 Hepatitis C  -- 1993 Hepatitis C  Typ 1 b durch einen Arbeitsunfall in einem Krankenhaus  erkrankte verhielt ich mich trotz alle dem tapfer. In diesem Krankenhaus habe ich über 27 Jahre meinen Dienst als Fachkrankenpfleger absolviert mit viel Freude und seit dem ich diese Erkrankung mit mir trage war für mich das Leben vorbei, hinzu kam noch dass zwei Therapien zu keinem Erfolg führten. Leider darf ich an keiner Therapie mit Interferongabe teilnehmen, weil Interferon für meine Depressionen kontra indizierend ist. Aber vielleicht kann ich in den nächsten Jahren eine neue Therapie ,wobei kein Interferon gegeben wird, nochmals versuchen. So nun werde ich schließen mit der Hoffnung, dass ein positives Abschlussgespräch in der MHH zustande kommt .Vielleicht hilft es uns allen die an dieser fiesen Hepatitis C mit oder ohne Zirrhoseanzeichen oder Leberzellkarzinom erkrankt sind, dass in Zukunft diese Krankheit Hepatitis C mit all den Nebenerkrankungen wie Depressionen und Polyneuropathien von den Medizinischen  Ämtern endlich mal  anerkannt zu werden. Ich danke für die Aufmerksamkeit dieses Berichtes.


Mit freundlichen Grüssen

Ein  Hepatitis C Patient seit über 27 Jahren erkrankt mit Hepatitis C assoziierten  Nebenerkrankungen