Deutsche Leberstiftung

 

 

Peter, erfolgreich nach der fünften Therapie

 

Hallo,

ich heiße Peter, bin 53 Jahre alt, verheiratet und habe 3 Kinder.
Vor 31 Jahren bin ich an beiden Hüften operiert worden (eine Umstellungsosteotomie - in der Fachsprache).
Dabei erhielt ich Blutkonserven, weil das große Operationen waren. 1994 habe ich Blut gespendet (vorher nie), erhielt dann einige Tage später vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz) eine Brief, in dem es hieß, ich hätte das HC - Virus uns müsse mich umgehend um eine Behandlung kümmern (der Rat). Ich bekam einen Schock (hatte gerade meine Sachen gepackt und war dabei, in den Sommerurlaub zu fahren). Diese Nachricht hatte mir erst einmal die ganze Urlaubsstimmung verdorben. Ich kannte diesen Virus nicht und dachte nur, ich habe AIDS - wegen der Verwechslung HCV - HIV - klingt alles ählich, deshalb dachte ich an AIDS. Bin dann sofort zu meinem Apotheker und habe ihm den Brief gezeigt. Er beruhigte mich erst einmal und sagte ich hätte kein AIDS. So bin ich erst einmal beruhigt in den Sommerurlaub gefahren.


Nach dem Urlaub suchte ich einen Internisten auf und kam in seine Sprechsstunde. Er sagte zu mir: "Sie werden in etwa 25 Jahren eine Zirrose bekommen und das bedeutet..." Ich habe geweint und mich schon auf den Tod eingestellt. Für mich war klar: Ich bin wohl ein Todeskandidat!
Habe mich danach im Internet durchgegoogelt und mir Infos über die Hepatitis C geholt und erschrak noch mehr, als ich dort las, das jährlich mehr Menschen an der Hepatitis C sterben als an AIDS.

Man riet mir eine Interferontherapie zu machen. Ich bin dann ins UKE in Hamburg gegangen, zu Dr. Peter Buggisch. Er machte eine Leberpunktion (Biopsie). Das Ergebnis war: Fibrose (zu diesem Zeitpunkt war ich 35 Jahre alt).
Darüber war ich nicht sehr begeistert. Er riet mir zu einer Interferontherapie. Diese habe ich begonnen und etwa 48 Wochen gemacht. Es handelte sich um pegyliertes Interferon. Die Therapie habe ich gut vertragen, außer, dass ich 20 Kg abgenommen habe. Das war ein sehr guter Nebeneffekt. Das Virus war während der Therapiezeit zwar nur minimal vorhanden, aber es ging einfach nicht weg. Ich habe während der Interferontherapie durchgearbeitet - so gut ging es mir! Nur die erste Woche nach Therapiebeginn hatte ich grippale Symptome: Gliederschmerzen und Schüttelfrost - danach hat sich das gelegt.

Nach etwa 48 Wochen war die Therapie zu Ende, aber ohne den gewünschten Erfolg; außer dass Dr. Buggisch sagte, dass ich dennoch etwas Gutes für meine Leber getan habe. Die Therapie hat die 48 Wochen lang das Virus im Blut minimiert und somit konnte sich die Leber erholen. Irgendwo habe ich eine zuverlässige Info gelesen, die da besagte, dass jede Interferontherapie (auch wenn sie das Virus nicht beseitigt hat) 5 Jahre mehr Lebenserwartung bringt (durch die Erholung der Leber: man gewinnt wieder an Lebenszeit).


Zwei Jahre später machte ich die nächste Therapie, wieder mit Interferon. Diese Therapie beinhaltete aber ein verbessertes Interferon. Alles war genaus so, wie bei der ersten Therapie: gleiche Gewichtsabnahme, grippale Symptome, habe wieder durchgearbeitet. Die zweite Therapie brachte ebenfalls nicht den gewünschen Erfolg, aber wieder hat sich die Leber erholt und ich hatte erneut Lebenszeit gewonnen! (Zu diesem Zeitpunkt nun inzwischen bereits 10 gewonnene Lebensjahre!).

Zwei Jahre später kam die dritte Therapie, auch bei Dr. Buggisch (der mich im übrigen sehr genial behandelt und beraten hat!). Bei der dritten Therapie war das Virus nach 3 Monaten weg, kam dann aber zurück und die Therapie wurde sofort abgebrochen. Dr. Buggisch sagte mir, dass man abbrechen muss, damit das Virus sich nicht an das Interferon gewöhnt und dann später keine Therapie mehr greifen kann.

Danach kam die vierte Therapie mit Interferon, Ribavirin und Amantadin. Diese Therapie brachte auch nicht den gewünschten Erfolg, aber wieder grippale Symptome, 20 Kg abgenommen; jedoch erneut 5 Jahre Lebenszeit gewonnen (inzwischen 20 Lebensjahre, die ich hinten dranhängen konnte: lt. Theorie). Bei dieser Therapie hatte ich allerdings sehr starke Agressionen - habe mich einmal fast mir meinem Vater geprügelt und einmal richtig geprügelt, mit einem frechen Kunden bei Penny, der nach einer verbalen Attacke auf mich losgegangen ist - und ich natürlich auch auf ihn. Habe ihm die Nase blutig geschlagen (habe früher geboxt) und wir bekamen beide Hausverbot. Habe mich danach aber beim Filialleiter entschuldigt (und auch beim Gegner) und durfte wieder rein (weiß nicht, wie es bei meinem Kontrahenden ausging)
Ich war nicht schlecht frustriert. Im übrigen hatte ich ein schlecht zu behandelndes Virus: 1 A oder 1 B - glaube aber eher 1 A.


Irgendwie stieß mal beim zappen auf eine Sendung, wo Hepatitis C Patienten in der Runde saßen und interwievt wurden. Es wurden vom Moderator Fragen gestellt wie: "Wie wollen Sie jetzt noch die letzten Jahre Ihres Lebens verbringen...". Ich war sehr frustriert und habe solche Sendungen und auch Hepatitis C - Foren oder Austausch dazu im Internet vermieden, weil immer nur schwarz gesehen wurde. Das hat mich nur noch mehr runter gezogen.

Vor 2 Jahren wurde mir eine neue Therapie vorgeschlagen, im IFI-Institut - nun die 5. (dorthin habe ich gewechselt, weil Dr. Buggisch dorthin gewechselt war und ich unbedingt bei ihm in Behandlung bleiben wollte). Im Rahmen einer Studie habe ich eine Therapie begonnen und diese etwa 48 Wochen durchgezogen. Es gab wieder Interferon und ein neues Medikament (als Kapseln. Von diesen musste ich 5 Kapseln am Tag nehmen – das war das eigentliche Studienmedikament). Ich hatte auch bei dieser Therapie ähnliche Symptome, wie bei den ersten 4, nur dass noch Depressionen und Selbstmordgedanken dazu kamen.
Wollte dies aber dem Arzt nicht sagen, weil ich nicht noch mehr Medikamente haben wollte; hatte Angst, dass ich irgendein Psychopharmaka bekomme und mit offenen Mund rumlaufen, von meiner Frau angezogen werden muss und nicht mehr am Straßenverkehr (als Autofahrer) teilnehmen kann. Ich hatte mal Leute in der Psychatrie besucht und dort Patienten gesehen, die starke Medikamente nehmen, mit offenem Mund und Schaum vor dem Mund umherliefen und einfach durch mich durchgeguckt hatten. So etwas wollte ich nicht erleben.

Habe dann aber in der ambulanten Sprechstunde doch das Problem mit den Selbstmordgedanken angesorochen (aber eben mehr auf eine spaßige Art). Als der Arzt das hörte, rügte er mich und fand es nicht gut, dass ich dies nicht schon vorher gesagt, sondern verheimlicht hatte. Ich äußerte meine Bedenken gegen entsprechende Medikamente und er beruhigte mich diesbezüglich. Er sagte mir, ich würde andere Medikamente bekommen, nicht so starke, wie diese die Patienten in der Psychatrie bekommen. Das Medikament hieß Mirtazapin 15 mg. (oder war das der Wirkstoff, weiß das jetzt nicht mehr so genau). Habe das Meikament aber gar nicht erst in der Apotheke abgeholt, weil ich das doch nicht mehmen wollte, aus dem o.g. Grund.

Bei der nächsten Untersuchung (nach der Verschreibung von Mirtazapin) fragte mich Dr. Buggisch lächelnd: "Nehmen Sie das Medikament?", ich: "Ja" (war natürlich gelogen), er: "Sie nehmen das nicht, das zeigen Ihre Blutwerte!" - Da war ich baff! Habe nicht gedacht, dass die am Blut feststellen können, ob ich das Medikament nehme oder nicht. Dr. Buggisch sagte mir dann, wenn ich das Medikament nicht nehme, bestehe die Gefahr, dass die Therapie abgebrochen werden muss. Ich musste ihm versprechen, dass ich es nehmen würde uns siehe da, das Medikament hat wahre Wunder gewirkt: Ich hatte keine Depressionen mehr, keine Selbstmordgedanken und konnte wieder normal essen (vorher hat mir nichts geschmeckt und ich konnte nicht essen: alles hatte so metallisch geschmeckt). Außerdem habe nicht so viel, wie bei den ersten 4 Therapieen abgenommen. Ich hatte bei der fünften Therapie auch mit starkem Würgegereiz und starken Bauchschmerzen zu kämpfen; musste nicht selten fast sofort nach der Medikamenteneinnahme auf Klo und habe dort ein wenig länger als sonst gesessen...


Nach den ersten Wochen wurde Blut abgenommen und es hieß: das Virus ist nicht mehr da. Ich konnte das zunächst gar nicht glauben und habe mich auch irgendwie nicht darüber freuen können - eben, weil ich es einfach nicht glauben konnte.
Nach einem halben Jahr Therapie war das Virus immer noch nicht wieder da und ich traute mich langsam, mich ein klein wenig darüber zu freuen. Nach einem Jahr war es immer noch nicht wieder da, oder besser gesagt, immer noch weg! Erst da wurde ich wirklich optimistisch!

Jetzt, nach abschließender Untersuchung (vor 2 Monaten und inzwischen 1 1/2 Jahren Virusfreiheit) sagte mir Dr. Buggisch, ich wäre immer noch Virusfrei und gelte jetzt als geheilt.

Ist das nicht geil?!!!!

Mit diesem Bericht möchte ich Euch ermutigen, nicht aufzugeben! Es lohnt sich!


Peter